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FM-CONGRESS 2008:
Standortförderung und –entwicklung am Beispiel des Andermatt Tourismus Resort

Der Nachmittag des 5. März stand ganz im Zeichen des in der Schweiz einmaligen Grossprojektes Andermatt Tourismus Resort vom ägyptischen Investor Samih Sawiris.
Den Reigen eröffnete Marcus Kirby, seines Zeichens Director Development der Andermatt Alpine Destination Company (AADC). Der gebürtige Amerikaner stellte noch einmal die heute schwierige Situation von Andermatt dar: den Rückzug der Armee, die dadurch verloren gegangenen Arbeitsplätze und die Folgen davon für Läden, Restaurants und die gesamte Infrastruktur des Ortes. Diesen trüben Fakten standen und stehen eine mutige Regierung und, was aus touristischer Sicht besonders wichtig ist, das Fehlen einer sogenannten „Mud Season“ (= Schlammsaison) gegenüber. Die Region bietet sich also für alle Saisons an.



(Foto: Andermatt Gotthard Tourismus)

Das Resort soll bekanntermassen eine gehobene Kundschaft ansprechen und nach den Worten von Kirby eine ernsthafte Konkurrenz zu St. Moritz und Zermatt werden. Um den entsprechenden Ansprüchen gerecht zu werden, das Resort bei Betrieb in einem tadellosen Zustand zu erhalten, ist ein Verein geplant, der die Anlaufstelle für sämtliche Facility Services bildet. Auch energietechnisch ist nur das Beste gut genug: nach dem Willen Sawiris wird das Resort CO2-neutral sein. Damit das gelingen kann, war der Beizug von Schweizer Architekten enorm wichtig. Sawiris Unternehmen OHD (Orascom Hotels and Development), bisher erfahren im Bauen von Resorts rund um das Rote Meer, war sich zum Beispiel nicht immer bewusst, wie sich spezielle Ideen zum Beispiel auf die Heizkosten auswirken.


Investoren willkommen

Wer allerdings dereinst – nach Plan wäre dies im Frühjahr 2009 – den Bau mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Franken realisieren wird, ist noch nicht bekannt. Und was einige der Anwesenden ebenfalls interessiert aufgenommen haben ist, dass Samih Sawiris „nur“ 51 % der Anteile hält und weitere Investoren willkommen sind.



Nach diesen erfreulichen Nachrichten betrat Max Germann (Bild) das Podium. Der Architekt (Germann & Achermann AG) war von Anfang an in das Projekt involviert und kennt andererseits als ehemaliger Präsident der SIA Zentralschweiz die Sorgen und Nöte der Branche. Auch mit diesen besten Voraussetzungen stellte ihn die Arbeitsweise von Sawiris vor grosse Herausforderungen. Im Gegensatz zu landläufigen Bauvorhaben gab es am Anfang nämlich vieles, das es nicht gab:

  • - kein vergleichbares Resort
  • - kein Programm
  • - keine Projektpartner
  • - kein Team vor Ort
  • - keine feste Parzelle

Was es gab, waren:

  • - Samih Sawiris
  • - seine Idee
  • - ein verschlafenes Bergdorf
  • - ein Gelände

Plus, wie sich schon bald herausstellte: eine mutige Regierung, die alles daran setzte, aus dieser Vision Realität werden zu lassen. In ihrem Referat erzählte die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen von dem konspirativ anmutenden ersten Treffen der Regierungsvertreter mit dem Investor. Sie freute sich, dass da jemand kommt, der ein Hotel bauen wolle. Bis sie von Regierungsrat Josef Dittli, über den der Kontakt zu Sawiris entstand, darüber aufgeklärt wurde, dass der Mann aus dem Nahen Osten ein ganzes Dorf bauen wolle... Zusammen mit dem Aegypter überfolgen sie das Ursental, und danach waren alle Beteiligten davon überzeugt, dieses herausragende Projekt Wirklichkeit werden lassen zu wollen.


Die Urner Regierungsrätin Heidi Z’graggen, die von Anfang an in das Projekt involviert war, am FM-CONGRESS

Erfolgreicher Hürdenlauf

Die Hürden, die es zu überwinden galt, hatten es allerdings in sich. Würde, an erster Stelle, das VBS der neuen Nutzung zustimmen und das Land abtreten? Und was würden die Einwohner von dem Projekt halten? Wie werden Bund, Kanton, Gemeinde, private Eigentümer, Umweltverbände und auch die Medien reagieren?

Wie man heute weiss, hat der Regierungsrat all diese Hürden frisch und flott übersprungen, das Projekt und sein Entwickler geniessen in der ganzen Schweiz grosse Sympathien.

Auch Max Germann zeigte sich sehr angetan von der zwar strengen, weil ungewohnten, dafür aber spannenden Zusammenarbeit mit Sawiris. Dieser schätze den Ideen-Wettbewerb, habe klare ideelle Ziele, aber keine vorgefassten Programme, lasse den Dingen ihren Lauf, achte auf eine hohe Zahl von Beteiligten, möge offene Prozesse und beziehe auch die Stakeholders ein. Diese Werte, zusammen mit der engen Kooperation mit den Behörden, geben dem visionären Vorhaben reelle Chancen auf Verwirklichung.



Breite Akzeptanz

Im März 2008 stimmte die Offene Dorfgemeinde von Andermatt mit einem Ja-Stimmenanteil von 98 % einer Änderung der Bau-  und Zonenordnung zu. Mit Inkrafttreten der neuen Vorschriften wird die im September 2007 erlassene Bausperre wieder aufgehoben werden können. Gemeinsam mit der Investorengruppe erarbeiten die Behörden derzeit die Quartiergestaltungspläne. Man darf also zuversichtlich sein, dass das untenstehende Bild auf der Homepage von Andermatt Tourismus bald einmal in die Rubrik „Nostalgiebilder vom Urserntal“ verschoben werden muss.


(Foto: Andermatt Gotthard Tourismus)

Text: Sonia Tauss